die sache mit belichtungszeit, blendenöffnung & iso

Freitag, 13. März 2015

Heute befassen wir uns mit einem wichtigen Thema bezüglich des Umgangs mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, das besonders für Anfänger interessant sein könnte, die im Begriff sind sich eine solche Kamera anzuschaffen oder aber noch nicht so lange im Besitz einer solchen Kamera sind und sich durch die vielen Einstellungsmöglichkeiten leicht überfordert fühlen oder einfach den Zusammenhang zwischen Belichtungszeit, Blendenöffnung und ISO-Wert noch nicht ganz verstanden haben.



Die Verschlusszeit / Belichtungszeit

Die Verschlusszeit bezeichnet den Zeitraum, der bestimmt, wie lange das Licht des zu fotografierenden Objektes auf den Bildsensor der Kamera fällt.
Je länger die Belichtungszeit ausfällt, desto heller wird das Bild. 
Wird die Verschlusszeit jedoch kürzer gewählt, wird schlussfolgernd das Foto dunkler. Das ist der Grundsatz.

Gegliedert sind die Langzeitbelichtungen in ganzen Zahlen, wie beispielsweise 1, 1.6, 3 bis 30.
Hierbei fällt dann beispielsweise 30 Sekunden lang das Licht auf den Sensor, um auch in der Dunkelheit ein erkennbares Ergebnis zu liefern.
Diese Belichtungstechnik ist besonders abends und nachts vorteilhaft, wenn nicht mehr genügend Tageslicht vorhanden ist oder aber beispielsweise ein Feuerwerk eingefangen werden soll. 
Hierbei wird allerdings ein Stativ benötigt, da die Kamera vollkommen ruhig stehen muss und die Fotos bei jeder noch so kleinen Bewegung grundsätzlich verwackeln.

Die normale Belichtung hingegen gliedert sich in Brüche, wie etwa 1/8, 1/25 oder 1/50.
Hierbei fällt dann lediglich beispielsweise eine fünfzigstel Sekunde Licht auf den Sensor - sie ist also wesentlich kürzer.
Es gilt also: 1/25 ist hierbei keine kurze Belichtungszeit, sondern eine lange - im Umkehrschluss dazu ist 1/640 eine kurze Belichtungszeit!
Je höher die Werte also werden, desto kürzer ist die Belichtungszeit!

Anhand meiner kleinen Zimmerpflanzen möchte ich Euch nun zeigen, was die Belichtungszeit für Unterschiede birgt.
Die Ausgangswerte und Lichtverhältnisse für beide Fotos sind dieselben - lediglich die Belichtungszeit wurde von mir verändert.

Verwendet habe ich übrigens für beide Fotos mein Nikkor AF-S 18-55 mm 1:3.5 - 5.6 G VR Weitwinkel Objektiv.

Falsche Belichtungszeit

Belichtungszeit: 1/640
Blendenöffnung: 5.6
ISO Empfindlichkeit: 100

Wie Ihr sehen könnt, ist das Bild ganz schön dunkel und undynamisch geworden.
Dies liegt daran, dass eine zu kurze Belichtungszeit von 1/640 gewählt wurde.
Das Licht des Objektes fällt für zu kurze Zeit auf den Bildsensor und wird somit in nicht wirklich lichtstarker Umgebung zu dunkel.

Korrekte Belichtungszeit

Belichtungszeit: 1/25
Blendenöffnung: 5.6
ISO Empfindlichkeit: 100

Anders hingegen sieht es aus, wenn eine längere Belichtungszeit genutzt wird.
Hierbei habe ich den standardmäßigen Wert von 1/25 verwendet, um nicht zu wenig und nicht zu viel Licht auf den Sensor zu lassen und tata - das Foto ist korrekt ausgeleuchtet und auch das Objekt wirkt direkt lebendiger und echter.

Die Blendenöffnung

Prinzipiell kann man sagen, dass die Blende des Objektives wie unser menschliches Auge funktioniert.
Ist das Licht im normalen Rahmen, haben wir die Augen normal geöffnet und unsere Pupillen sind weit.
Scheint draußen jedoch hell die Sonne, kneifen wir die Augen zusammen und die Pupillen werden kleiner.
Genau so handhabt die Blende unserer Kamera dies auch.
Wer sich den folgenden Spruch einmal verinnerlicht hat, ruft ihn automatisch bei verschiedenen Lichtverhältnissen immer wieder ab und weiß, wie die Blende ungefähr eingstellt werden muss.

Die Sonne lacht, Blende 8!

Die Blende von 8 ist hierbei allerdings kein großer Wert, sondern genau das Gegenteil, denn die Blende kneift in dieser Situation Ihr Auge zusammen, wenn man es ganz simpel erklären möchte.
Deshalb sind Werte von 2.8 oder 1.8 groß, denn die Blende hat ihr Auge dabei vollkommen geöffnet.


Beim Beispiel meiner Schwester habe ich eine Blende von 8 gewählt, da die Sonne sehr grell am Himmel stand, eine Belichtungszeit von 1/125 bei einer ISO von 100, damit das Foto nur minimal überbelichtet wird, aber dennoch eine angenehme Atmosphäre ausstrahlt. Dies kreiert einen leicht märchenhaften Touch.
Verwendet habe ich hier übrigens das Telezoom Objektiv Nikkor AF-S DX Zoom 50-200mm 1:4-5,6 G IF-ED VR in Kombination mit meiner Nikon D5100, das eine angenehme Tiefenunschärfe bietet. *HIER* könnt Ihr nochmals alles über meine Kamera und meine beiden Objektive lesen.
Falls Ihr gerne noch etwas genauer in die Thematik "Objektive" einsteigen möchtet, einfach Bescheid sagen, dann befassen wir uns gern damit (:

Bei diesem Foto habe ich erneut mit dem Nikkor AF-S DX Zoom-Nikkor 50-200mm 1:4-5,6 G IF-ED VR Telezoom bei komplett anderen Lichtverhältnissen gearbeitet.
Hierbei befand sich das Objekt in einem dunklen Wald. Die Einstellungen sahen hierbei wie folgt aus:
Blendenöffnung: 4.2, Belichtungszeit: 1/4 bei ISO 640.


ISO - Lichtempfindlichkeit

Die ISO-Empfindlichkeit bezeichnet einfach die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors der Kamera.
Je kleiner der angegebene ISO-Wert ausfällt, desto weniger lichtempfindlich ist der Sensor!

Dies bedeutet also, dass der Sensor bei Zunahme des Wertes mehr und mehr empfindlich gegenüber Licht wird. Demnach setzt sich die Empfehlung der angewandten ISO-Werte wie folgt zusammen:

ISO 100 - 200: Bei Sonne oder ausreichend hellem Tageslicht
ISO 400 - 800: bewölkter Himmel, abends oder bei Dämmerung
ISO 800 +: nachts, bei allgemein zur Dunkelheit tendierenden Lichtverhältnissen

Prinzipiell könnte man jetzt annehmen: "je lichtempfindlicher, desto besser!". Dies ist allerdings nicht der Fall.
Mit erhöhter Lichtempflichkeit erhöht sich grundsätzlich das unerwünschte Bildrauschen auf Fotos!
Hierbei verliert das Foto an Kontrast und wird in der Regel oftmals unscharf.
Auch ist das Ergebnis wesentlich von der Größe des Bildsensors und der allgemeinen Qualität der Kamera abhängig.

Wenn man mich fragt, empfehle ich daher grundsätzlich kleine ISO-Werte. Bei meiner Kamera beispielsweise habe ich automatisch immer ISO 100 eingestellt. 
Nur wenn dies wirklich einmal nicht mehr funktioniert, wie bei dem Beispielfoto im Wald, ändere ich den Wert je nach den gegebenen Verhältnissen.

Wie spielen Belichtungszeit, Blendenöffnung und ISO Empfindlichkeit nun zusammen?

Kurz und knapp gesagt: eine große Blendenöffnung bedarf weniger Belichtungszeit und einer geringen Lichtempfindlichkeit (ISO 100), da die Fläche, durch die das Licht kommt hierbei deutlich größer ist und allgemein das benötigte Licht vorhanden ist.
Eine kleine Blendenöffnung mit weniger Lichtfläche benötigt hier mehr Belichtungszeit und eine höhere Lichtempfindlichkeit (ISO 800+), da weniger Licht gegeben ist und dieses mit der höheren Lichtempfindlichkeit genutzt werden muss.

Einzige Abweichung hierbei wäre natürlich das Beispiel mit der Sonne - die Blende wird auf einen nahezu geschlossenen Wert von 8 gesetzt, die ISO bleibt auf 100 und aufgrund des massenhaft vorhandenen Lichts wird allgemein eine kürzere Belichtungszeit benötigt, da das Licht selbst etwas abgeflacht werden muss, damit keine Überbelichtung des Objektes stattfindet.

Falls Ihr noch weitere Fragen zum Thema habt oder etwas nicht ganz verstanden habt, scheut Euch nicht, nochmal nachzufragen (:


Kommentare:

  1. Danke für die Erläuterung!
    Ich tu mich mit dem Thema noch seeeehr schwer. Ich nutz die Modi nur für Korrekturen wenn der Sensor nicht so will wie ich will... sonst krieg ich da nur Glückstreffer mit hin. Was stellst du denn zuerst ein und womit spielst du rum? Mit dem ISO Wert hatte ich nie Probleme aber bei Blende und Belichtungszeit weiß ich nicht was ich festsetzen soll und woran ich drehen soll.

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    1. Ich lege zuerst immer die Blendenöffnung fest und passe schließlich die Belichtungszeit an. Beides geht ja Hand in Hand. Aber so funktioniert das für mich am besten (:

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  2. Super verständlich erklärt auch für so Foto-loser wie mich. An sich bin ich echt kein technischer Legastheniker aber bei Fotos hört's irgendwie auf, das schnall ich so gut wie gar nicht und ich nutze hauptsächlich die Automatikeinstellung. ^^ Evtl. sollte ich mich mal wirklich intensiv hinsetzen und rumprobieren.
    Aber wirklich top erklärt. =)

    LG
    K.ro

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    1. Definitiv. Wenn du dich ein wenig damit befasst und vor allem einzelne Schritte direkt ausprobierst und das verstanden hast, geht das alles fast wie von allein (:

      Freut mich, dass meine Erklärung verständlich war (:

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  3. Wow toller Beitrag!
    Ich habe mir erst im Februar eine Nikon D5200 gekauft mit einem Objektiv mit Festbrennweite.
    Ich bekomme langsam ganz ordentliche Bilder hin, aber ich denke deine Ausführungen werden mir sehr helfen! Jetzt versteh ich die Zusammenhänge viel besser.

    Ich würde mich auch sehr über einen Beitrag zu Objektiven freuen. Da habe ich schon echt n bisschen Probleme das richtige zu wählen. Soll ja nicht bei einem Objektiv bleiben ;-)

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    1. Wahrscheinlich das allseits beliebte f 1:1.8G - 50 mm?
      Das steht bei mir gerade aktuell ganz hoch im Kurs auf der "to-buy"-Liste (:

      Das freut mich, dass dir mein Beitrag helfen konnte und die Zusammenhänge nun etwas klarer sind.
      Sobald du das einmal komplett verstanden hast, machst du keine Fehler mehr beim Fotografieren (:

      Das Thema "Objektive" schneide ich demnächst gerne mal an (:

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